Fasten-Donnerstag in Kirchberg - 26.2.09

Fotos: Burkhard Volkholz

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Fotos: Burkhard Volkholz

Teufel: Jeder, der nachdenkt, ist auch Europäer

„Politischer Ascherdonnerstag“ der CDU-Ortsverbände im Rot- und Illertal

OCHSENHAUSEN (hjr) - Ministerpräsident a. D. Erwin Teufel hat in Kirchberg in der voll besetzten Festhalle zum Thema „Gewinnt Deutschland durch eine starke Europäische Union?“ gesprochen. Sein Referat, in freier Rede vorgetragen, ist zu einem Plädoyer für die Fortführung des Einigungsprozesses geworden.

Ob die Gemeinde Kirchberg/Iller künftig etwas mehr in den Mittelpunkt des Kreises rückt, wie Bürgermeister Herbert Pressl sich bei seinem Grußwort wünschte, wird man abwarten müssen. Auf jeden Fall freute sich Josef Rief sichtlich über den Besuch seines prominenten Parteifreunds; bereits im Vorfeld des Wahlkampfs ist es dem CDU-Kandidaten für das Direktmandat des Wahlkreises Biberach gelungen, mit Erwin Teufel einen kompetenten Redner zu einem attraktiven Thema in seine Heimatgemeinde zu locken.

Franz Romer MdB war trotz seines Geburtstags präsent und wurde dafür gefeiert; „dieses war der größte Geburtstagschor in meinem Leben“, meinte er gerührt. In einem kurzen Rückblick auf die vergangene Legislaturperiode erinnerte er an den knappen Wahlausgang des Jahres 2005 und verwies auf die vielen Kompromisse, die eine Große Koalition erfordert. Aber er wies auch auf die Leistungen der Regierung hin: das Senken der Arbeitslosenquote und die Reduzierung der StaatSverschuldung – „wenn uns nicht die Finanzkrise um die Früchte unserer Arbeit gebracht hätte.“ Aber auch in der aktuellen Situation habe die CDU/SPD-Regierung glänzend reagiert: „Wir haben in kürzester Zeit die notwendigen Programme auf den Weg gebracht“. Er warnte davor, sich darauf zu verlassen, dass es im September zu einer schwarz-gelben Koalition kommen werde. „Ich weiß nicht, wofür die FDP steht; die bekämpfen mehr die CDU!“ und spornte seine Parteifreunde an, sich im Superwahljahr für eine hohe Wahlbeteiligung einzusetzen.

Erwin Teufel bekannte zu Beginn seines Referats, dass er nicht, wie saisonal üblich, auf andere eindreschen wolle; „das ist mir nie gelegen!“, meinteTeufel. Er wolle vielmehr eine sachliche Antwort auf eine zu Recht gestellte Frage geben: „Gewinnt Deutschland durch eine starke Europäische Union?“ Wenn man das Europa bis 1945 betrachte, so könne man diese Frage nur mit „Ja“ beantworten, meinte Teufel. In dieser Zeit sei Europa von Hass geprägt gewesen und von Kriegen verwüstet worden.

In seiner berühmten Züricher Rede von 1946 habe Churchill die Vereinten Staaten von Europa gefordert und Frankreich und Deutschland bei diesem Prozess eine Führungsrolle zugewiesen. Dieser Gedanke sei, so Teufel, außerordentlich erfolgreich gewesen; in einer „Friedensgemeinschaft in Freiheit“ könne in Europa die dritte Generation ohne Krieg leben; erstmals in seiner Geschichte habe Deutschland ausschließlich Freunde an seinen Grenzen. Der Wendepunkt des Jahres 1989 habe dann den Prozess der Erweiterung der EU möglich gemacht.

Auf niederer Ebene entscheiden

Allerdings, so der Redner, müsse man zugeben, dass die Europa-Akzeptanz nachgelassen habe. Man erlebe Europa als einen Moloch, dessen Entscheidungsprozesse bürgerfern hinter verschlossenen Türen ablaufen. Die Lissabonner Verträge mit ihren vielen Neuerungen werden hier laut Teufel Abhilfe schaffen und der Gedanke der Subsidiarität müsse weiter um sich greifen: Entscheidungen müssen auf möglichst niederer Ebene, möglichst nah bei den Menschen, fallen.
Und nicht zuletzt sei Europa mittlerweile auch ein Machtfaktor in der Weltpolitik: „Aber Europa darf nicht mit 27 Stimmen, sondern muss mit einer Stimme sprechen“, forderte abschließend Erwin Teufel. „Dann kommt international niemand an Europa vorbei!“

Copyright Schwäbische Zeitung
Ausgabe Biberach 28.02.2009

 
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