Bundeskanzlerin in Ravensburg - 21.3.06
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Oettinger setzt auf den Angie-Effekt
RAVENSBURG - Ministerpräsident Günther Oettinger hat prominente Wahlkampfhilfe bekommen. Fünf Tage vor der Landtagswahl füllt Bundeskanzlerin Angela Merkel die Oberschwabenhalle in Ravensburg. Vor 4000 Anhängern fordert sie bessere Verkehrswege, weniger Bürokratie, mehr Investitionen in Bildung und einen bundesweiten Fragebogen für Muslime.
Von unserer Redakteurin Kerstin Conz
Die Oberschwabenhalle zu füllen, gilt für Redner als mutiges Projekt. Bei ihrem letzten Auftritt im Ravensburger Konzerthaus, zehn Tage vor der Landtagswahl 2001, sprach Merkel vor gut 1000 Leuten. Auf dem Münsterplatz in Ulm waren es diesen Sommer immerhin schon 2000 Leute. Gestern wollten 4000 Menschen die Kanzlerin sehen. Alte Ravensburger, die schon die legendären Auftritte von Franz Josef Strauß (5000 Leute in der Halle, 2000 davor) miterlebt haben, staunen, wie schnell sich die Halle füllt.
Eine halbe Stunde vor Beginn sind die meisten Sitzplätze besetzt. Um 16.57 Uhr steigen die Fernsehteams auf die Tische und schultern ihre Kameras. Technomusik, Blitzlichtgewitter, Partystimmung. 4000 Menschen erheben sich beim Einlaufen der Kandidaten. Und das, obwohl die Landtagswahl dieses Mal keinen so richtig vom Hocker zu hauen scheint.
Der Angie-Effekt hat offenbar Oberschwaben erreicht. Günther Oettinger, der den ganzen Tag mit der Kanzlerin im Land unterwegs ist, strahlt. Denn auch wenn die Zeichen für die CDU ganz gut stehen, kann ein Merkel-Bonus nicht schaden. Die Bundeskanzlerin hofft auf ein Wahlergebnis von 50 plus in Sigmaringen, Biberach, am Bodensee, in Oberschwaben und im Allgäu.
Auch Oettinger zählt auf die Region und verspricht den Landwirten, gegen die Streichung von Agrarsubventionen einzutreten. Der Kanzlerin preist er die Region als „Deutschlands besten Arbeitsmarkt“ an. Dafür wünsche er sich aber von der „lieben Angela“ mehr Mittel für Straßen und Schienen. Der Verkehrsknotenpunkt Ulm müsse besser zu erreichen sein. Angela Merkel signalisiert Bereitschaft: Die Koalition wolle künftig mehr in Verkehr investieren. „Ganz Deutschland muss vernünftig vernetzt sein. Auch wenn die Wünsche größer sein werden als die Möglichkeiten.“ Der letzte Satz der Kanzlerin ist schon fast nicht mehr zu hören. Er geht im Applaus unter.
Hoffnung macht Merkel auch den Mittelständlern: „Es gibt keine Erbschaftssteuer für die, die ihr Vermögen im Betrieb lassen“, verspricht sie. Außerdem sollen Unternehmer durch Bürokratieabbau entlastet werden. „Wenn wir den Unternehmern noch Knüppel in den Weg schmeißen, sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen.“ Zur Erinnerung an ihr Versprechen bekommt die Kanzlerin einen dicken Ordner mit nach Berlin. 510 Unternehmer haben gegen zu viel Bürokratie unterschrieben.
Bei der Beschäftigung von älteren Mitarbeiten hat Merkel dann doch noch einen Seitenhieb parat. Nicht in Richtung Oettinger, den sie in dieser Sache schon einmal kritisiert hatte. Ihr Appell geht in Richtung Arbeitgeber, die sich auch mehr für den Wiedereinstieg von Müttern in den Beruf interessieren sollten: „Was ist das für eine Gesellschaft, in der ein Unternehmer 20, 30 Jahre hinter dem selben Schreibtisch sitzt und dann einer Mutter sagt, sie ist nicht kreativ und flexibel?“ Wieder tosender Applaus. Um 17.58 Uhr ist die Kanzlerin fertig mir ihrer Rede. Pünktlich auf die Minute. Es bleibt gerade genug Zeit, um die Nationalhymne zu singen und den Menschen, die zur Bühne strömen, die Hände zu schütteln.
Um 18.06 Uhr bahnt Angela Merkel sich wieder ihren Weg durch die Menge. In Offenburg füllt sich schon die nächste Halle.
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Kreisseite Biberach, 22. März 2006
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