CDU will Erreichtes besser kommunizieren - 6.3.17

Gastredner schwört die lokalen CDU-Mitglieder auf den Bundestagswahlkampf ein
Von Michael Mader

Erolzheim - Die CDU im Landkreis Biberach hat am Politischen Fastenfreitag ihren Wahlkampf für die Bundestagswahl im September eröffnet. Als Gastredner hatte die Partei den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Bundestag und Wirtschaftspolitiker Ralph Brinkhaus aus Gütersloh in die Mehrzweckhalle nach Erolzheim eingeladen.

Brinkhaus hatte es zu Beginn seiner knapp einstündigen Rede schwer, das Feuer unter den rund 100 Besuchern zu entfachen. Schließlich hatten in den Vorjahren Wolfgang Bosbach und Thomas Bareiß für deutlich vollere Hallen in Kirchberg und Berkheim gesorgt, zudem ist die Stimmung bei der Partei nach den jüngsten Umfragen auch nicht die beste. Und das auch in einer Hochburg der CDU, die hier schon absolute Mehrheiten der Stimmen eingefahren hat.

Josef Rief tritt erneut an
Das weiß auch Josef Rief, der zum dritten Mal für den Bundestag kandidiert und erneut das Direktmandat im Wahlkreis Biberach gewinnen will. Die Zeiten sind noch schwieriger geworden für die CDU, seit Martin Schulz als Kanzlerkandidat wie ein Phönix aus der Asche schoss. Rief und auch Brinkhaus versuchten deutlich zu machen, dass Schulz ja schon knapp 20 Jahre an der Spitze der SPD stehe und die Agenda 2010, die er jetzt umkehren wolle, durchaus mitzuverantworten habe. Beide wiesen darauf hin, dass es den Deutschen so gut gehe wie noch nie, die Zahl der Arbeitslosen seit dem Amtsantritt von Angela Merkel halbiert worden sei, es reale Lohnerhöhungen gegeben habe und auch die Renten erhöht worden seien.

Die von Schulz ausgerufene Gerechtigkeitsdebatte sei eine Scheindebatte, sagte Brinkhaus. Sie ziele an der Realität vorbei. Das müsse die CDU deutlich machen im kommenden halben Jahr. Die Partei müsste das Erreichte besser und selbstbewusster kommunizieren. Man müsse sich nicht rechtfertigen, Mitglied in der CDU zu sein - im Gegenteil. Die CDU müsse zudem zukunftsgerichtet denken und handeln, genau anders als es die Populisten von rechts und links forderten. "Die wollen immer die gute alte Zeit zurück und haben immer recht", sagte Brinkhaus an die AfD gerichtet, die immer ein Feindbild brauche. Dem müsse man entschieden entgegentreten.

Zupacken sei jetzt gefragt
Mut, Eigenverantwortung und Zutrauen seien die besseren Ratgeber für eine erfolgreiche Politik. Zupacken sei gefragt - auch und gerade an konkreten Projekten. "Wir brauchen auch wieder ein andere Gründungskultur", formulierte der 49-jährige Ostwestfale, der im Landkreis Gütersloh zu Hause ist. Eine ebenso prosperierende Region wie der Landkreis Biberach mit ebenso erfolgreichen Unternehmen wie Oetker, Miele oder Claas. Aber nicht nur diese großen Konzerne bestimmten eben den Erfolg des Wirtschaftsstandorts Deutschland. "Es sind der Mittelstand und die familiengeführten Unternehmen", so Brinkhaus, "das ist und bleibt die DNA der CDU in der Wirtschaftspolitik". Und das gelte insbesondere für den ländlichen Raum. Dort nämlich seien die sogenannten "Hidden Champions" anzutreffen. "Der ländliche Raum ist der Motor der Wirtschaft", positionierte sich Brinkhaus. Deshalb sei gerade hier eine funktionierende Infrastruktur mit bezahlbarem Wohnraum, einer attraktiven Gesundheitsversorgung, Schulen und Kitas und nicht zuletzt dem schnellen Internet mindestens genauso wichtig wie in den Metropolregionen.

In der anschließenden Diskussion stellte sich Ralph Brinkhaus - unterstützt von den beiden Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger und Raimund Haser - den Themen Sicherheit, türkischer Parallelgesellschaft, Bürokratieabbau und Europa. Nach mehr als zwei Stunden hatte es Brinkhaus mit Kompetenz und Sympathie doch noch geschafft, ein wenig Überzeugung in die Gesichter der Parteifreunde zu zaubern, die auch durch den Auftritt der Erolzheimer Cheerleaderinnen "Red Flash" schon zu Beifallskundgebungen hingerissen wurden.

Ralph Brinkhaus, stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag und Wirtschaftspolitiker, war der Gastredner beim Politischen Fastenfreitag in Erolzheim. Foto von Michael Mader




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Ausgabe Biberach - 06.03.2017

 

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