Neujahrsempfang CDU-Stadtverband Biberach -13.1.12
Guido Wolf kritisiert die deutsche Krisen-Angst und die Unzufriedenheit
Beim Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbands gilt der Landtagspräsident manchem als kommender Hoffnungsträger der Union
Biberach (gem) - Hat sich mit Landtagspräsident Guido Wolf am Freitagabend in Biberach der neue Hoffnungsträger der Landes-CDU präsentiert? Einige Besucher des Neujahrsempfangs des CDU-Stadtverbands im Handtmann-Forum trauen dem 50-jährigen gebürtigen Weingartener und langjährigen Tuttlinger Landrat künftig sogar das Amt des Ministerpräsidenten zu.
Den rund 200 Gästen redete Wolf in seinem Vortrag „Wir in Zeiten großer Veränderungen“ rund 45 Minuten auf eloquente Weise ins Gewissen und geißelte das Krisen-Gerede und die Panikmache vor einem Rückgang des Wirtschaftswachstums. Er wünsche sich wieder mehr Pragmatik, so Wolf: „Niedrige Arbeitslosigkeit, Kauflust, Investitionsbereitschaft – wer jetzt beledigt ist, sind die Glaskugelgucker, die sich mit ihren Prognosen geirrt zu haben scheinen.“
Das Phänomen der Angst, sagte Wolf, sei ein typisch deutsches. „Baden-Württemberg ist so stark, das haut noch nicht mal eine grün-rote Landesregierung um“, setzte er zum Seitenhieb gegen den politischen Gegner an. Ihn enttäusche die Unzufriedenheit vieler Menschen mit ihren Lebensverhältnissen. Man dürfe Lebensqualität nicht nur an ökonomischen Kennziffern festmachen. Er beobachte, dass in der Bevölkerung die Bereitschaft zu Veränderungen und gefühlten Einbußen sinke, sagte der Landtagspräsident.
Seiner CDU schrieb er beim Vortrag in Biberach ins Stammbuch, den 27. März 2011, also die Niederlage bei der Landtagswahl, als Chance zu sehen. Im Rückblick habe sich die Partei vielleicht etwas zu häufig für ökonomische Interessen stark gemacht anstatt für ökologische. Die zentrale Herausforderung der Politik sei in Zeiten vielfältiger Interessen und Wünsche, Schwerpunkte zu setzen und eine Koordinierungsfunktion zu übernehmen. „Da ist Mut zu Entscheidungen gefragt“, sagte Wolf. Manches lasse sich mit Volksabstimmungen lösen, manches aber nicht. Das System der repräsentativen Demokratie habe sich bewährt, „und wir tun gut daran, es in die Zukunft zu tragen“, sagte Wolf, der in Biberach auch seine Qualitäten als Mundartdichter unter Beweis stellte.
Handtmann erzeugt Strom selbst
Vor Angst als Ratgaber in unruhigen Zeiten warnte auch Arthur Handtmann, 84-jähriger Seniorchef der gleichnamigen Unternehmensgruppe, die für 2012 mit einem Umsatz von 600 Millionen Euro rechnet. Mit Sorge beobachte er aber die Entwicklung auf dem Energiesektor. Der seiner Meinung nach zu hastig beschlossene Atomausstieg Deutschlands zwinge ihn dazu, seine Firmengruppe bei der Stromversorgung mit Gasmotoren unabhängig zu machen, um vor Ausfällen geschützt zu sein, was aber erst Ende 2012 gelinge.
CDU-Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle sprach in ihrem Grußwort angesichts der aktuellen Lage davon, dass es keine Euro-Krise oder europäische Schuldenkrise gebe. „Was wir haben, ist eine Schuldenkrise einzelner EU-Mitgliedsstaaten.“ Die EU brauche straffere Führungsstrukturen, und der Wirtschaft müsse man trotz allen Sparens und Konsolidierens die Chance lassen, sich weiterzuentwickeln.
Einen Vesperkorb mit Biberacher Spezialitäten überreichte Otto Deeng, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands (l.), an Guido Wolf.SZ-Foto: Mägerle
So gesagt
„OB in dieser Stadt zu sein, kommt einer Gnade gleich.“
Guido Wolf zu Biberachs Oberbürgermeister Thomas Fettback.
„Ich war immer stolz auf die höchste Geburtenrate in Baden-Württemberg, die wir im Kreis Tuttlingen hatten. Jetzt hat uns Biberach um einen Säugling überholt.“
Der Ex-Landrat Guido Wolf
„Wir haben in Deutschland kein Problem mit der Krise, sondern ein Problem mit der Angst vor der Krise.“ Guido Wolf
„Heute ist selbst der Wetterbericht zuverlässiger als so manche Wirtschaftsprognose.“
Guido Wolf
„Wir müssen der Bewahrung der Schöpfung wieder höheren Stellenwert zumessen.“
Guido Wolf über die zukünftige Ausrichtung der Landes-CDU.
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Ausgabe Biberach - 16.1.2012
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