Wahlberichterstattung der SZ - 28.9.09
Rief gewinnt – mit herben Verlusten
LANDKREIS BIBERACH - Josef Rief zieht mit dem Direktmandat des Wahlkreises 292 nach Berlin – allerdings mit herben Verlusten im Vergleich zu dem Ergebnis seines Vorgängers Franz Romer. Die überraschendsten Ergebnisse hat die FDP eingefahren: Oliver Lukner bekam 15,1 Prozent der Erststimmen und seine Partei ist zweitstärkste Kraft im Kreis – noch vor der SPD.
Von unserer Redakteurin Katja Tölle
Seekirch ist die erste Gemeinde, deren Wahlergebnis im Landratsamt auf der Leinwand gezeigt wird: 44 Prozent der Stimmen für Josef Rief – und damit 15,2 weniger als sein Vorgänger Franz Romer 2005 noch erreicht hat. Doch es trifft den neuen Abgeordneten des Wahlkreises Biberach noch härter: Moosburg und Allmannsweiler strafen Rief mit über 22 Prozentpunkten Verlust ab. Insgesamt muss der Kirchberger an Erststimmen 10,5 Prozentpunkte Verlust hinnehmen, die CDU 8,4.
Ein paar Reihen hinter Rief ist die Stimmung besser: Oliver Lukner ist der Gewinner des Abends. Die FDP überholt die SPD und hängt sie ab – zumindest, was die Zweitstimmen betrifft. Aber auch in Sachen Erststimmen sorgt Lukner für Überraschungen: In Bad Buchau bekommt der FDP-Kandidat 19,7 Prozent der Stimmen, in Moosburg sogar 20,3. „Langsam wird‘s mir unheimlich“, gesteht Lukner bei der Veröffentlichung des fünften Ergebnisses im Landratsamt. Denn was Rief an Verlusten hinnehmen muss, gewinnt Lukner hinzu. Im Vergleich zu Xaver Schmid, seinem Vorgänger als Kandidat der FDP, verdoppelt er die Ergebnisse teils sogar. Lukner holt insgesamt 15,1 Prozent der Erststimmen, die FDP an Zweitstimmen sogar 18,8 Prozent.
Düster sieht es hingegen für die SPD aus. Mit 13,7 Prozent ist sie im Wahlkreis nur noch drittstärkste Kraft – für eine „Volkspartei“ ein denkbar schlechtes Ergebnis, das um 7,9 Prozentpunkte schlechter ist als noch 2005. Für Martin Gerster als Kandidat sieht es besser aus, auch wenn das Direktmandat für die SPD nicht ansatzweise in greifbare Nähe gerückt ist. 23 Prozent der Wähler im Wahlkreis gaben Gerster ihre Stimme – und damit nur vier Prozent mehr als Oliver Lukner. Für den SPD-Abgeordneten bedeutet das nicht, dass er seine Koffer packen und aus Berlin wegziehen muss: Er ist trotz des schlechten Ergebnisses der SPD in Baden-Württemberg mit Platz zwölf über die Landesliste abgesichert und wird auch die kommenden vier Jahre im Parlament sitzen – allerdings in der Opposition.
Mehr als verdoppeln konnten auch die Linken ihr Ergebnis im Wahlkreis, die die fünf Prozent geknackt haben. 2005 lag die Partei noch bei 2,6 Prozent – sie liegen damit aber klar in dem Zuwachstrend der kleinen Parteien. Denn neben FDP und Linken haben auch die Grünen dazugewonnen – zumindest an Zweitstimmen. 3,1 Prozentpunkte legten die Grünen im Landkreis zu – Thomas Oelmayer als ihr Kandidat hingegen verlor 4,1 Prozentpunkte im Vergleich zu dem Ergebnis seines Vorgängers Oswald Metzger.Republikaner und NPD liegen bei 1,1 beziehungsweise 1,2 Prozent und auch NPD-Kandidat Siegfried Härle konnte die Wähler nicht überzeugen: Ihn wählten 2,1 Prozent der Wähler im Landkreis.
Gerster zieht in Biberach an Rief vorbei
Erdrutschartige Verluste für SPD, aber gutes Erststimmenergebnis
BIBERACH - Die CDU hat gestern bei der Bundestagswahl in Biberach deutlich, die SPD erdrutschartig verloren: um 9,7 Punkte. Gewinner sind vor allem die Freien Demokraten, aber auch Grüne und Linke.
Von unserem Redakteur Ulrich Mäule
SPD-Kandidat Martin Gerster kannn sich trotzdem über das Biberacher Ergebnis freuen: Er hat seinen CDU-Konkurrenten Josef Rief überrundet – erstmals seit vielen Bundestagswahlen hat in Biberach ein Sozialdemokrat die meisten Erststimmen geholt. Vor vier Jahren noch war Gerster mehr als 16 Prozentpunkte hinter CDU-Kandidat Romer gelegen (26,0 zu 42,4 Prozent). Diesmal holte Romer 33,4 Prozent (5440 Stimmen), der CDU-Mann Rief 32,5 Prozent (5294 Stimmen).
Drittstärkste Partei in der Stadt Biberach ist gestern die FDP geworden, sie liegt mit ihren 17,8 Prozent (plus 6,2 Punkte) nur knapp hinter der SPD (18,9 Prozent, minus 9,76 Prozentpunkte). Die Grünen liegen mit ihren 14,0 Prozent (plus 3,7 Prozentpunkte) wieder hinter der FDP.
Und die Linke verdoppelte ihr Ergebnis in der Stadt auf 5,8 Prozent. Unter den Splitterparteien spielen in Biberach nur die Piraten eine nennenswerte Rolle: 377 Stimmen (gleich 2,3 Prozent).
Die Abgeordneten über ihre Ergebnisse
Gerster gratuliert Rief
LANDKREIS BIBERACH (kat) - Für den Landkreis Biberach sitzen künftig wieder zwei Kandidaten im Bundestag: Josef Rief (CDU) und Martin Gerster (SPD). Das Direktmandat hat Rief gewonnen – Konkurrent Gerster gratulierte im Landratsamt. Freunde werden die beiden Konkurrenten wohl künftig in Berlin trotzdem nicht.
„An mir soll‘s nicht liegen“, sagte Martin Gerster auf die Frage hin, ob er sich nach dem heißen Wahlkampf mit teils scharfen Vorwürfen in Berlin eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Abgeordneten Josef Rief vorstellen könne. „Das ist Demokratie“, sagt er. Bundesweit sei es ein „schlimmes Ergebnis, ein trauriger Abend“, räumte Gerster ein, der sich aber über sein persönliches Abschneiden, die Zugewinne entgegen dem Bundestrend, freut. Josef Rief gibt „Schmutzkampagnen gegen ihn“ die Schuld an seinem im Vergleich zu Franz Romer schlechtem Abschneiden. Aber auch die Tatsache, dass er im Wahlkreis noch unbekannt und zum ersten Mal angetreten sei, habe das Ergebnis verursacht. „Das war ein Konglomerat verschiedener Ursachen“, sagt er. Aber es habe auch gute Nachrichten gegeben: „In meiner Heimatgemeinde zum Beispiel, wo man mich kennt, konnte ich zulegen.“ Außerdem habe er knapp doppelt so viele Stimmen bekommen wie sein schärfster Konkurrent Gerster. Dass er so herbe Verluste hinnehmen musste, nimmt er offenbar ähnlich gelassen wie eben der: „Das ist Demokratie“, stellt auch Rief nach der Wahl fest.
Copyright Schwäbische Zeitung
Ausgabe Kreis Biberach 28.09.2009
Startseite





