Dörflinger sucht Austausch mit Landwirten in der Region

27.08.2025

CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger hat den Laupheimer Lußhof besucht und sich mit dem Kreisbauernverband getroffen. Im Mittelpunkt: Kritik an Plänen zu einem Biosphärengebiet und Frust über Wildschäden.

Von Christian Reichl

LAUPHEIM - Der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger hat im Rahmen seiner Sommertour ein Kurzpraktikum auf dem Lußhof der Familie Bochtler in Laupheim absolviert. Neben einer Ausfahrt im Traktor und einem Ausritt auf dem Pferd stand vor allem der Austausch mit Vertretern des Kreisbauernverbands Biberach-Sigmaringen im Mittelpunkt. Zwei Themen dominierten das Gespräch zwischen Landwirten und dem Politiker: ein mögliches Biosphärengebiet in Oberschwaben und Schäden durch Wildtiere wie Krähen und Biber.

Seit den 1980er-Jahren bewirtschaftet die Familie Bochtler den Lußhof zwischen Laupheim und Untersulmetingen – damals ist die Familie ins Rißtal ausgesiedelt. Seit 2006 wird der Betrieb als Pferdehof geführt. „Heute können wir gut davon leben“, schilderte Florian Bochtler, der den Betrieb im vergangenen Jahr von seinem Vater Peter-Paul Bochtler übernommen hat. Rund 100 Pferde leben auf dem Lußhof inzwischen. Dörflinger bedankte sich für die Möglichkeit, einen Einblick in den Betriebsalltag zu erhalten. „Ich war das erste Mal hier“, sagte der CDU-Politiker, der bei der Arbeit im Stall und auf dem Feld mit anpackte. Sein persönliches Highlight: „Selbst auf einem Pferd reiten zu dürfen.“

Anschließend stand das Treffen mit Vertretern des Kreisbauernverbands bei einem Frühstück an. Und es gab reichlich Gesprächsbedarf. Denn seit es die Idee zu einem Biosphärengebiet Allgäu-Oberschwaben gibt, die auch im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung festgehalten ist, regt sich Widerstand in Teilen der Bevölkerung. Die „Allianz für Allgäu-Oberschwaben“, mit einem Schwerpunkt im Allgäu, positioniert sich unter anderem mit einer Plakataktion klar gegen das Vorhaben. Befürchtet werden Einschränkungen bei der Flächennutzung.

Wir haben uns bewusst entschieden, den Prozess kritisch zu begleiten und nicht der Allianz für Allgäu-Oberschwaben beizutreten“, sagte Karl Endriß, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Bestimmte Sorgen des Zusammenschlusses teile man jedoch durchaus. Endriß kritisierte im Gespräch mit Dörflinger eine fehlende Beteiligung der Landwirte im laufenden Prüfprozess, mit dem ausgelotet werden soll, wie ein Biosphärengebiet in der Region aussehen könnte. „Wenn Gemeinden Chancen in dem Gebiet sehen, können wir das akzeptieren - aber unsere Betriebe vor Ort und der Gemeinderat müssen zusammenkommen.“

Endriß und die zweite Vorsitzende Martina Magg-Riedesser betonten, der Verband habe von Anfang an kommuniziert, dass die Mehrheit der Landwirte einem solchen Gebiet ablehnend gegenüber stünden. Die Kritik der Landwirte: Dass durch die Ausweisung des Biosphärengebiets auf private landwirtschaftliche Flächen Einfluss genommen werde.

Dörflinger machte sich für das Verfahren stark: Die Entscheidung liege bei den gewählten Vertretern in den Gemeinderäten, die seiner Ansicht nach im guten Austausch mit der Landwirtschaft stünden. „Wir haben extra einen Prozess geschaffen, bei dem wir sagen: Nicht wir, sondern die Vertreter vor Ort sollen entscheiden“, betonte der CDU-Politiker. Er ermutigte die Landwirte, aktiv den Austausch mit ihren Räten zu suchen.

Ein weiteres Thema, das die Landwirte umtreibt, sind zunehmende Schäden durch Wildtiere. Für Frust bei den Landwirten sorgt unter anderem der Biber, dessen Population im Land deutlich gewachsen ist. Laut Umweltministerium leben derzeit rund 11.500 Biber in Baden-Württemberg – vor 20 Jahren waren es lediglich 650 Exemplare.

„Wir als Grundstückseigentümer haben die Schäden, aber bekommen keinen Ausgleich – das muss gesellschaftskonform geregelt werden“, kritisierte Magg-Riedesser. Trotz der kürzlich von der Landesregierung geschaffenen Biber-Verordnung, die es ermöglicht, dass einzelne Tiere unter gewissen Umständen vergrämt oder entnommen werden dürfen, sei keine Besserung in Sicht. Vor allem die praktische Umsetzung sei nicht gegeben. „Keiner will der Erste sein, der schießt“, betonte Endriß.

Dörflinger betonte, die neue Regelung sei ein Fortschritt, die eine Entnahme des Bibers in Ausnahmefällen ermöglicht, wenn kritische Infrastruktur betroffen ist. Bezüglich geschützter Arten und der Forderung der Landwirte, den Biber ins Jagdrecht aufzunehmen, verwies er auf die Zuständigkeit von Bund und Europäischer Union.

Auch die geschützte Saatkrähe sorgt weiter für Ärger bei Landwirten – Laupheim und Riedlingen seien „Hotspots“, sagte Endriß. Nach wie vor seien landwirtschaftliche Flächen von Fraßschäden durch die Vögel betroffen. Magg-Riedesser zeigte sich enttäuscht nach dem sogenannten „Krähengipfel“ – aktuell sei es im Landkreis Biberach weiterhin nur über bürokratisch aufwändige Einzelverfügungen möglich, die Krähen zu entnehmen. Diese seien nicht nur teuer, sondern auch unpraktikabel, da sie nur für konkrete Flächen gelten. „Das sind so hohe Hürden, da macht kein Jäger mit“, sagte Magg-Riedesser.

Die Landwirte forderten, mit einer Allgemeinverfügung in den betroffenen Gebieten gegenzusteuern. Thomas Dörflinger zeigte sich verwundert, dass diese Möglichkeit im Kreis Biberach nicht genutzt werde, da die Landesregierung hierfür den Rechtsrahmen geschaffen habe. Im Kreis Ravensburg wurde bereits eine Allgemeinverfügung erlassen, um die geschützten Saatkrähen durch die Jagd zu regulieren.

Thomas Dörflinger betonte zum Abschluss, wie wichtig ihm der direkte Austausch mit der Landwirtschaft sei. Jedes Jahr besuche er daher im Rahmen der Sommertour einen landwirtschaftlichen Betrieb. „Das ein oder andere Thema habe ich schon auf dem Traktor gehört“, sagte er. Er versprach, Anliegen mitzunehmen und Antworten auf offene Fragen.

 

© Schwäbische Zeitung, Ausgabe Laupheim vom 27. August 2025