Krebs und Haser wollen sich drittes Duell liefern

28.01.2026

In der einstigen CDU-Hochburg Allgäu liefern sich eine Grüne und ein CDUler seit zehn Jahren Zweikämpfe.

In der einstigen CDU-Hochburg Allgäu liefern sich eine Grüne und ein CDUler seit zehn Jahren Zweikämpfe. Ein Blick in die politische Geschichte von Petra Krebs und Raimund Haser.
Von Jan Peter Steppat

Wangen / Region Es war wahrlich eine Überraschung, als Paul Locherer Ende Februar 2015 ankündigte, bei der Landtagswahl ein Jahr später nicht mehr für einen Sitz im baden-württembergischen Landtag kandidieren zu wollen. Zehn Jahre lang hatte der CDU-Politiker den Wahlkreis Wangen-Illertal und seine politischen Farben bis dahin in Stuttgart vertreten.

Die CDU stand also vor der Frage, wen sie als Nachfolger des renommierten Amtzellers, der auch lange Jahre Bürgermeister seiner Heimatgemeinde war, ins Rennen schicken wird. Die Antwort auf die Frage entwickelte sich zu einer mehr als spannenden Angelegenheit. Denn am Ende waren es drei Kandidaten, die sich auf der Nominierungsversammlung Ende Juni 2015 in Vogt auf das Direktmandat bewarben: der Wangener Stadtrat Christian Natterer, der nicht lange zuvor erst in die CDU eingetretene Kißlegger Journalist und Unternehmer Raimund Haser sowie der wie Natterer ebenfalls als Stadtparlamentarier agierende Wolfram Dreier.

Natterer galt damals durchaus als Favorit, hatte er doch zum Beispiel als stellvertretender Landes- und später Bundesvorsitzender der Jungen Union als einziger aus dem Trio bereits überregionale politische Erfahrung gesammelt. Doch es kam anders: Am Ende nominierten rund 600 CDU-Mitglieder mit einem hauchdünnen Vorspung Raimund Haser. In der Stichwahl setzte er sich mit hauchdünnen 51,7 Prozent der Stimmen gegen Natterer durch. Dreier war im ersten Wahlgang ausgeschieden.

Damit wechselte Raimund Haser automatisch die Rolle. Denn als nun nominierter CDU-Kandidat war er nicht mehr Außenseiter, sondern klarer Favorit auf das Landtagsmandat des Wahlkreises Wangen-Illertal. Schließlich hatten die Christdemokraten hier stets das Direktmandat geholt, seit es den Wahlkreis in weitestgehend heutiger Form gibt - und das war 1976.

Auf Josef Siedler (1976 bis 1980) folgten Josef Dreier (bis 1996), Helmut Kiefl (bis 2006) und eben Paul Locherer. Und so war es alles andere als verwunderlich, dass auch Raimund Haser 2016 den direkten Sprung in den Landtag schaffte. Doch mit ganz anderen Zahlen als von seinen Reihen erhofft. Denn mit gerade einmal 35,1 Prozent der Stimmen lagen die CDU und er weit hinter früher gekannten Ergebnissen zurück. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor waren es 57,6 Prozent und 2011 immerhin noch 48,6 Prozent - also in jenem Jahr, als die Grünen mit Winfried Kretschmann erstmals das Amt des Ministerpräsidenten besetzten.

Dieser grüne Höhenflug machte sich trotz Raimund Hasers Wahlkreiserfolgs auch im Württembergischen Allgäu und drumherum bemerkbar. Denn die damals ebenfalls erstmals angetretende Wangener Krankenschwester und Stadträtin Petra Krebs holte für ihre Farbe auf Anhieb 30,3 Prozent und rückte Haser und der CDU damit beachtlich auf die Pelle.

Mehr noch: Dank dieses Ergebnisses schaffte Krebs über die Landesliste den Sprung in den Landtag. Als einzige Grünen-Kandidatin im Land übrigens, da die Partei zahlreiche Direktmandate erobert hatte. Damit war der Wahlkreis 68 erstmals mit zwei Abgeordneten in Stuttgart vertreten und Krebs die erste Frau und erste Grüne aus der Region, die dies überhaupt schaffte - und damit Historisches gelang.

Nicht nur die landespolitischen Karten waren damit neu gemischt. Auch Ergebnisse bei Kommunal- und Bundestagswahlen spiegelten die Entwicklung wieder. Die setzte sich fort und wurde sogar noch deutlicher- ablesbar an den Ergebnissen der Landtagswahl 2021.

Damals kamen die Grünen im Land erstmals auf mehr als 30 Prozent, der längst den Status des Landesvaters innehabende Winfried Kretschmann erreichte den Höhepunkt seiner politischen Karriere - und auf dieser Erfolgswelle schwamm auch Petra Krebs mit. Ihr gelang das, was nur wenige Jahre zuvor wohl fast jeder halbwegs politisch denkende Mensch ins Reich der Fabel verwiesen hätte: Sie gewann im „schwarzen Allgäu“ als Grüne tatsächlich das Direktmandat und erneut gelang ihr damit Historisches. Zwar knapp mit 31,3 Prozent vor Raimund Haser mit 30,6 Prozent - aber am Ende zählt halt nur das Ergebnis.

Ob die Mehrheitsverhältnisse in Land und Region so bleiben, wird sich erst am 8. März, dem Tag der Landtagswahl, zeigen und laut Meinungsumfragen ist dies zu bezweifeln. Was aber schon länger feststeht ist, dass sich Petra Krebs und Raimund Haser erneut ein Duell um den Wahlkreis Wangen-Illertal liefern wollen. Denn beide bewerben sich abermals um das hiesige Direktmandat und damit um einen Sitz im Landtag. Es heißt also: Krebs und Haser zum Dritten.

Beim Rennen um den direkten Weg nach Stuttgart werden dieses Mal wieder dem CDU-Mann die besseren Chancen zugeschrieben. Und vertraut man Experten, muss er diese auch nutzen. Denn demnach ist es zumindest nicht unmöglich, dass die Christdemokraten so viele Wahlkreise holen, dass deren Landesliste kaum oder gar nicht zieht.

 

© Schwäbische Zeitung, Ausgabe Biberach vom 28.1.2026