"Biberacher Frühlingsdialog" Mehr schaffen und weniger regulieren

25.02.2026

Wirtschaftspolitik, Bürokratieabbau und der Umgang mit der AfD standen im Zentrum des „Biberacher Frühjahrsdialogs“ des CDU-Stadtverbands mit Thomas Dörflinger und Peter Schneider.

Von Gerd Mägerle

RISSEGG - Er probiere in seinem Wahlkampf auch neue Formate aus, sagte CDU-Landtagskandidat Thomas Dörflinger eingangs zu den zahlreichen Besuchern, die an diesem Sonntagmorgen ins Dorfgemeinschaftshaus nach Rißegg gekommen waren. Der „Frühjahrsdialog“, zu dem der CDU-Stadtverband und sein Vorsitzender Nico Ruß geladen hatten, war als Gespräch zwischen Dörflinger und dem früheren Sparkassenpräsidenten und Landrat Peter Schneider (Dörflingers Vorgänger als CDU-Landtagsabgeordneter) angelegt, an dem sich auch das Publikum mit Wortmeldungen beteiligen konnte.

Schneider, seit 2024 im Ruhestand, brauchte nicht lange, um auf eines der Kernthemen dieses Wahlkampfs zu kommen. Schon in seinem Berufsleben habe er sich über die „Granatenbürokratie“ im Land geärgert. „Wenn zwei Drittel der Tagesordnung nur noch aus Regulatorik bestehen, dann stimmt etwas nicht.“ Und auch die miese Infrastruktur sei eines Hochleistungslands wie Deutschland nicht würdig, meinte er mit Verweis auf die Unpünktlichkeit der Bahn.

Dörflinger nahm die Bälle auf. Bürokratieabbau sei eines der Hauptziele der CDU. Vorteil: „Er kostet nichts.“ Man habe in der Landespolitik bereits erste Pflöcke gesetzt. So sollen Daten von behördlicher Seite nur einmal erhoben und dann zwischen den Ämtern ausgetauscht werden. Außerdem werde man Verwaltungsvorschriften mit einer Laufzeit versehen.

Schneider wiederum betonte, dass es für den Bürokratieabbau Fachleute aus der Verwaltungspraxis brauche. Man solle jene Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister einbeziehen, „die gezeigt haben, dass sie es können“. Dem künftigen Ministerpräsidenten komme dabei eine große Rolle zu. „Manuel Hagel traue ich das zu“, sagte Schneider über den CDU-Spitzenkandidaten, den er im Lauf des Gesprächs noch mehrfach als den geeigneten Ministerpräsidenten lobte. „Er hat ein glänzendes Renommee in der Wirtschaft und im Gegensatz zu Cem Özdemir langjährige Erfahrung im Landtag.“

Hagel werde Wirtschaftspolitik im Falle seiner Wahl zur Chefsache machen, kündigte Dörflinger an, der den CDU-Landesvorsitzenden aus Ehingen aus seiner zehnjährigen Landtagstätigkeit bestens kennt. Zu einer guten Wirtschaftspolitik gehöre auch eine stärkere Vertretung der baden-württembergischen Interessen in Brüssel.

Im Verhältnis der Menschen zur Wirtschaft habe sich in den vergangenen 50 Jahren vieles verändert, konstatierte Schneider. „Der Grundkonsens zum Erfolgsmodell Soziale Marktwirtschaft ist weg. Wir verteilen schon lange viel mehr als wir haben – und das auf Kosten der nächsten Generation.“

Eine Reform des Staates gelinge nur, wenn die Wirtschaft wieder in Gang komme. Das Rezept dafür ist laut Schneider simpel: „Wir müssen mehr schaffen und die Produktivität erhöhen. Und nicht darüber diskutieren, ob wir Feiertage nachholen, die auf ein Wochenende fallen.“ Um das Land und auch die Sozialsysteme wieder auf Kurs zu bringen, bedürfe es schmerzhafter Reformen, sagte Schneider. „Wir hocken mit dem Arsch auf der Herdplatte. Es ist nur die Frage, wie lange wir brauchen, bis wir es kapieren.“

Mit Sorge beobachtet der frühere Sparkassenpräsident das Erstarken der politischen Ränder rechts wie links. „Da sind auch viele leistungsbereite, erfolgreiche Leute mit dabei, die das Gefühl haben, dass es im Land nicht gerecht zugeht.“ Diese Wähler gelte es zurückzugewinnen. „Von der AfD im Landtag kannst du nix erwarten“, waren sich Schneider und Dörflinger einig.

Die AfD sei ein Sammelbecken aus Unzufriedenen. Im Landtag werde es mit der AfD keine Zusammenarbeit geben, so Dörflinger, dazu fehle das grundlegende Vertrauen. „Wenn die AfD eines Tages vielleicht mal ein Ansprechpartner sein will, muss sie sich zunächst entradikalisieren und von den Höckes dieser Welt trennen.“ Den Wählern der AfD gelte es seitens der CDU, Brücken zu bauen, um sie zurückzuholen. Man müsse die AfD „wegregieren“, zitierte Schneider den CDU-Spitzenkandidaten Hagel.

Ziel sei es, in den Tagen bis zur Landtagswahl dafür zu kämpfen, dass die CDU mit möglichst großem Vorsprung die Wahl gewinne, appellierte Dörflinger an die Mitglieder. Nur dann habe man ein entsprechendes Gewicht in den Koalitionsverhandlungen.

 

© Schwäbische Zeitung, Ausgabe Biberach vom 25.2.2026