CDU-Kandidat Dörflinger gewinnt den Wahlkreis Biberach + Kommentar

09.03.2026

Im Wahlkreis Biberach kann CDU-Direktkandidat Thomas Dörflinger sein Direktmandat souverän verteidigen. Die deutlichsten Zugewinne hat jedoch die AfD.

Von Thomas Werz, Tanja Bosch, Christian Reichl, Birgit van Laak, Markus Falk

Biberach Der Wahlkreis Biberach wird auch in den kommenden fünf Jahren von Thomas Dörflinger vertreten. Der CDU-Abgeordnete zieht zum dritten Mal in den Stuttgarter Landtag ein und kann 46,4 Prozent (Stand der Auszählung um 20.25 Uhr, 221 der 226 Gemeinden ausgezählt) der Erststimmen hinter sich versammeln. Auch bei den Zweitstimmen kann die CDU mit 39,2 Prozent zulegen (2021: 34,1 Prozent). Mit 23,1 Prozent verlieren die Grünen im Wahlkreis 5,8 Prozent gegenüber 2021. Die größten Gewinne erzielt mit 21,4 Prozent die AfD (+11,5 Prozent). SPD (3,5 Prozent), FDP (3,6 Prozent) und Die Linke (2,4 Prozent) scheitern im Wahlkreis deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung war mit 71,6 Prozent deutlich höher als 2021 (65,2 Prozent).

Konsternierte, ungläubige Blicke gab es um 18 Uhr beim Wahlabend des CDU-Kreisverbands Biberach, der sich in Hochdorf getroffen hatte. Enttäuscht nahmen die CDU-Mitglieder die Prognose und die erste Hochrechnung zur Kenntnis, die die Grünen vor der CDU sieht. Man habe vor Ort bis zum Schluss sehr geschlossen für Spitzenkandidat Manuel Hagel und den Wahlkreiskandidaten Thomas Dörflinger gekämpft, so der Tenor. „Wir sind enttäuscht“, sagte der Biberacher CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Dahler. „Wir hatten am Ende einen Lagerwahlkampf. Das Lager der linken Parteien hat zusammengehalten gegen die CDU und gegen Manuel Hagel.“

„Wir haben gegenüber der letzten Wahl deutlich zugelegt. Aber ich hätte mir gewünscht, dass wir mit der ersten Hochrechnung besser abschneiden würden und vor den Grünen gelandet wären“, sagte Thomas Dörflinger am frühen Abend. „Bei einem Ergebnis von um die 30 Prozent hätten wir vor ein paar Wochen gesagt: in Ordnung.“ Das Ergebnis von SPD und Linken zeige, dass von dort Stimmen Richtung Grüne gewandert seien.

Manuel Hagel habe einen „astreinen Wahlkampf zu den drei Themen Wirtschaft, Bildung, innere Sicherheit“ gemacht. „Das spielte aber zum Schluss keine Rolle. Es ging nicht mehr um das beste Konzept, sondern um die Frage, welche Partei“, sagte Dörflinger. Der Wahlkampf sei in dieser Phase „extrem schmutzig“ gewesen und habe bei ihm Narben hinterlassen. Die, „die die Moral oben angestellt haben“, hätten sich für die Schmutzkampagne hergegeben und das sei von oben nicht gestoppt worden. „Dass es sich auszahlt, Kandidaten schlechtzumachen, lässt mich ratlos zurück. Wir haben uns nie auf die Schlammschlacht eingelassen.“ Wie man da vertrauensvoll zusammenarbeiten solle, wisse er nicht.

Anders hat er es im Wahlkreis erlebt. Dort sei es untereinander fair zugegangen. Sein Ergebnis freue ihn. Dass er mehr Erst- als Zweitstimmen erhielt, zeige, dass viele, die die CDU nicht mit Zweitstimme wählten, seine Arbeit gut fänden. „Das bestärkt mich, meinen Kurs fortzuführen, nah bei den Menschen zu sein.“

„Bei den Erststimmen war das Ergebnis absehbar“, kommentierte Grünen-Kandidat Berat Gürbüz den Wahlsieg Dörflingers. Für seine Erstkandidatur sei er aber mit dem Ergebnis zufrieden. „Ich bin dankbar für jede Stimme, die mir geschenkt wurde. Wir haben hier vor Ort alles gegeben“, sagte der 23-Jährige, der 16,4 Prozent der Erststimmen bekam. Für ihn hieß es am Abend weiter zittern. „Ich hoffe für mich persönlich, dass die CDU viele Direktmandate holt, sodass für mich die Chance besteht, noch über ein Überhangmandat in den Landtag einzuziehen.“

Das gute Abschneiden seiner Partei im Landestrend nennt Gürbüz eine „Wahnsinns-Überraschung“ – vor allem angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen Manuel Hagel und Cem Özdemir in den letzten Umfragen vor der Wahl. Bei der Wahlparty der Grünen schallte nach der ersten Prognose Jubel durch das Gemeindezentrum St. Martin in Biberach. „Wir haben in den letzten Tagen gehofft, dass das Ergebnis in diese Richtung geht“, betonte Grünen-Kreisvorstand Michael Gross.

Am Sonntagnachmittag zeigte sich AfD-Kandidatin Paula Gulde rundum zufrieden mit ihrem Wahlkampf. Sie konnte 20,8 Prozent der Erststimmen gewinnen. „Wir hatten zuletzt sehr viel Zulauf, die Leute trauen sich immer öfter an unsere Infostände“, sagte sie. Auch Anfeindungen gegen sie und ihre Partei habe es mit wenigen Ausnahmen deutlich seltener gegeben, so Gulde. Den Abend verbrachte Gulde dann bei einer kurzfristig organisierten Wahlparty. Wo diese stattfand, wollte sie aber nicht verraten.

Zu den ersten Hochrechnungen gegen 19 Uhr sagte die AfD-Kandidatin: „Wir hatten zwar mit 20 Prozent im Land gerechnet, sind aber sehr glücklich mit dem Ergebnis.“ Die AfD sei die einzige Partei, die sich verdoppeln konnte, so Gulde.

Kandidat Simon Özkeles (SPD) ist enttäuscht über das eigene Wahlergebnis (3,5 Prozent der Erststimmen). Die vergangenen Wochen und Monate haben an ihm gezehrt: „Ich habe alles gegeben und bin mit mir im Reinen. Ich habe den Wählerinnen und Wählern ein Angebot gemacht und sie entscheiden am Ende.“ In vielen Gesprächen habe sich herauskristallisiert, dass die Menschen sich gezwungen fühlten, mit ihrer Zweitstimme Grün zu wählen, „damit Manuel Hagel nicht kommt“. Man sehe auch am AfD-Ergebnis im Landkreis, wie stark verunsichert die Menschen seien.

Das Wahlergebnis der SPD im Land nennt Özkeles eine „Katastrophe“, „maximal beschissen“ und findet: „Es ist an der Zeit, dass die vorderen Reihen Platz für Jüngere machen, die neue Impulse setzen.“ Am Ende war es ihm persönlich aber wichtig, seinen Wahlkampf authentisch zu führen: „Ich habe mich nicht verstellt und mich nicht verleiten lassen.“

Linken-Kandidatin Jasmin Weber zeigte sich mit dem Ergebnis ihrer Partei enttäuscht. Sie habe fest damit gerechnet, dass es die Linke erstmals in den Landtag schaffen würde, so Weber. Sie bekam 2,7 Prozent der Erststimmen. Mit 2,4 Prozent konnte Die Linke zwar im Wahlkreis minimal zulegen, damit liegt die Partei dennoch deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Man habe gemerkt, dass doch taktisch gewählt worden sei, kommentierte sie das Ergebnis.

„Wir hatten sehr gehofft, dass es für die FDP im Landtag noch reicht“, sagt Kandidat Oliver Lukner (FDP). „Ich bin sehr enttäuscht.“ Schließlich stehe die FDP für Bildung, Wirtschaft und Bürokratieabbau, „alles, was das Land braucht“. Lukner findet es schade, dass es am Ende nicht mehr um Inhalte ging, sondern nur noch „um rehbraune Augen“. Damit spielt er auf den persönlichen „Wahlkampf“ zwischen Hagel und Özedmir an. Sein eigenes Ergebnis (3,1 Prozent) bewertete er ebenfalls als enttäuschend, aber ihm gehe es eher um das große Ganze und die Demokratie im Land: „Ich bin jetzt froh, dass die Grünen wenigstens die zweitgrößte Partei sind.“

 

Persönlicher Erfolg für Dörflinger

Kommentar von Gerd Mägerle


Deutlich stärkste Kraft im Wahlkreis Biberach bei Erst- und Zweitstimmen: Das war für Thomas Dörflinger und die CDU so erwartet worden. Dass er sein Direktmandat deutlich verteidigt und sein bislang mit Abstand bestes Ergebnis eingefahren hat, darf der Ummendorfer als Lohn und persönlichen Erfolg für seine unermüdliche Arbeit in Stuttgart und im Wahlkreis verbuchen.

Bitter für ihn jedoch, dass die CDU wohl knapp nicht stärkste Kraft im Land geworden ist. Was das für Dörflingers landespolitische Ambitionen bedeutet, werden die nächsten Wochen zeigen. Er dürfte zumindest mit einem Minister- oder Staatssekretärsposten liebäugeln. Möglicherweise hilft ihm sein starkes Wahlkreisergebnis.

Einen erfrischenden Wahlkampf hatte Grünen-Kandidat Berat Gürbüz hingelegt. Der 23-jährige Student hatte bei diversen Podien rhetorisch geglänzt und dafür auch Anerkennung von CDUlern erhalten. Ob es ihm noch über die Landesliste zu einem Sitz reicht, stand am Abend noch nicht fest. Für die Grünen im Wahlkreis könnte er aber ein Hoffnungsträger für die nächsten Jahre sein.

AfD-Kandidatin Paula Gulde, die inhaltlich ähnlich blass blieb wie im Bundestagswahlkampf 2025, darf sich trotzdem über die größten Zuwächse freuen. Frust und Unzufriedenheit scheinen auch im Wahlkreis zur Mobilisierung beigetragen zu haben. Ob ihr Listenplatz 36 in den Landtag reicht, war am Abend noch unklar.

Bitter lief der Abend für die SPD. Obwohl Simon Özkeles, ähnlich wie Grünen-Kandidat Gürbüz, engagiert in den Wahlkampf gezogen war, hatte er gegen den Landestrend keine Chance. Keine Rolle spielten im Wahlkreis die Linke und die FDP, die nicht mal mehr die fünf Prozent erreichte.

g.maegerle [at] schwaebische.de

 

© Schwäbische Zeitung, Ausgaben Biberach, Laupheim, Riedlingen vom 9. März 2026